«Facing lebt dank den Mitarbeitern.»

 

Firmengründer Lucius Leonhardt über sein privates und geschäftliches Leben nach dem Hirnschlag.
 

Was ist die grösste Veränderung in deinem Leben seit deiner Krankheit?

Es verändert sich noch immer vieles, es ist noch nicht abgeschlossen. Eine grosse Veränderung ist, dass ich die Geschäftsführung abgegeben habe; und dass ich Jonas Misteli, einen Externen, als Präsidenten in den Verwaltungsrat aufgenommen habe, ist eine andere. Es gab auch Veränderungen im Team – eine Mitarbeiterin hat uns verlassen, das macht die Arbeitsatmosphäre ruhiger. Die Stimmung im Betrieb ist gut: Gestern (das Gespräch fand im Sommer 2017 statt) habe ich alle Mitarbeiter ans Konzert von Jamie Cullum eingeladen, als Zeichen meiner Wertschätzung. Und ich habe das Gefühl, sie haben das geschätzt. Was die strategische Ausrichtung von Facing angeht, bin ich beschränkt einsatzfähig. Darum prüfen wir, ob ich jemanden ins Unternehmen holen soll, der dafür 
zuständig ist, auf dem Level, auf dem ich früher agierte. Auch, was das Gewinnen neuer Kunden und das new business angeht. Das sind alles weitere Veränderungen …

 

Wie gehst du persönlich damit um?

Ich weiss es noch gar nicht. Es sind viele Sachen am Laufen … Und ich muss anschliessend entscheiden, was ich damit anfange, in ein paar Monaten weiss ich mehr. Was mein körperliches Wohlbefinden angeht, stecke ich noch mitten in verschiedenen Therapien, die drei Tage der Woche einnehmen, das ist fast das Wichtigste für mich im Augenblick. Und als Nächstes ziehe ich um, in eine neue Wohnung in einem gerade fertiggebauten Haus im Seefeld; darauf freue ich mich, das ist eine gute Veränderung, weil mich die alte Wohnung immer an meinen Hirnschlag 
erinnert. Was ich heute schon sagen kann: Facing lebt 
dank mir, aber auch dank den anderen Mitarbeitern. 
Zu dieser Einsicht bin ich gekommen.

 

Wie hast du es geschafft, deine Firma loslassen 
zu können?

Unfreiwillig – durch meinen Hirnschlag.

 

Klar, das war der äussere Umstand, aber du scheinst damit im Reinen zu sein.

Ich versuche, damit positiv umzugehen. Und das ist 
möglich, weil unser wichtigster Kunde – das ist Hansueli Loosli, wenn auch indirekt (Coop-Gruppe; Transgourmet, Coop Mineraloel) – mir nach wie vor vertraut. Und er auch Roger Sandmeier und dem ganzen Team vertraut. Das ist für mich sehr wertvoll und ich bin dankbar dafür.

 

Wie sind die Rückmeldungen anderer Kunden 
auf deine Krankheit?

Es gibt eine Auftraggeberin, die kritischer mit der Situation umgeht als Herr Loosli. Aber die allermeisten Kunden 
vertrauen mir und Roger, den ich als Geschäftsführer eingesetzt habe. Obwohl ich nicht mehr so greifbar bin für 
sie wie früher; das hängt auch damit zusammen, dass ich immer noch mitverantwortlich bin für die Strategie von Facing.

 

Und die Rückmeldungen der Mitarbeiter?

Sie halten mir die Stange. Das ist wichtig und ein schönes Gefühl. Noch wichtiger aber ist, dass sie hinter dem Geschäftsführer stehen, schliesslich arbeiten sie jetzt jeden Tag mit und für Roger und nicht mehr mit mir.

 

Ein Blick in die fernere Zukunft: Was machst du in ein paar Jahren für Facing?

Ich werde immer noch Mitglied des Verwaltungsrats sein und immer noch die Strategie mitbestimmen.